Montag, 16. Februar 2004
Brennendheiss
Gerade kam eine Mail von meinem Bruder, Mr. Burns, der in diesem Jahr vom 7.-8. Mai zum sechsten Mal das Burnsstock Festival stattfinden lässt, das seit seinem Beginn stetig gewachsen ist und inzwischen zwei Tage dauert. Im letzten Jahr sah sich dann auch erstmals die Provinzpolizei veranlasst, das friedliche Fest durch massive Personen und Zufahrtskontrollen zu stören. Was aber eigentlich noch schlimmer ist, als der Wahn der Ordungshüter: dass ich auch nach fünf Jahren noch nicht einmal da war.

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Permission denied
Berlin liegt in tiefem Nebel. Der Fernsehturm ist darin versunken. Es ist wieder kälter geworden. Wenn nichts mehr hilft, hab ich 166 kleine Bauklötze zu verfeuern. Die Räume in der Pappelallee sind leider zu klein, besonders der Laden vorne an der Ecke hat mir schon immer gefallen, wenn er nur einen Raum mehr hätte...



Später sitze ich in einem engen Serverraum und drifte ab für einen Moment, in andere Zeiten, New Economy Zeiten, gute wie schlechte, hypnotisiert vom Surren und Rauschen der Serverfarm. Mit einem Ruck kehre ich zurück in die Gegenwart, auf den Linuxserver kann ich immer noch nicht von aussen zugreifen, was ärgerlich ist, denn ich würde gerne meine Website updaten...

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Sonntag, 15. Februar 2004
Arbeit für alle
Deutschlandfunk weckt mich mit einer präzisen Analyse der verfehlten Arbeitsmarkt Strukturreform, die einerseits der überkommenen Vorstellung erliegt, durch genügendes immer anhaltendes wirtschaftliches Wachstum könne es Vollzeit-Arbeit für alle geben, der andererseits das Leitbild des von der Wirtschaft geforderten "flexiblen Arbeitskraftunternehmers" unterliegt, das einen enormen Druck auf die Arbeitenden erzeugt. (Das Bild vom nur noch auf seine Arbeit hin vernetzten Selbständigen, das in diesem Zusammenhang gezeichnet wird, ist mir und vielen Ex-Pixeln nur zu gut bekannt.) Beide Hebelpunkte verfehlen aber das eigentliche Problem, dass es nämlich nicht mehr Vollzeitbeschäftigung für alle geben wird, eine Tatsache, die im Grunde eine Vielzahl positiver Möglichkeiten birgt, wie Buckminster Fuller (und damit hab ich den Bogen zu meinen Zitaten) schon vor gut 30 Jahren in seiner Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde festgestellt hat:

"[...] Wenn wir die Industrialisierung studieren, sehen wir, daß wir keine Massenproduktion ohne massenkonsumption haben können. Sie wurde evolutionär bewirkt durch die großen sozialen Arbeitskämpfe um höhere Löhne, gerechtere Verteilung des Wohlstands und Verhinderung der Arbeitsplatzreduzierung. Die Arbeiterbewegung ermöglichte die Massenkaufkraft und damit die Massenproduktion; und daraus ergaben sich wiederum niedrige Preise für wesentlich verbesserte Produkte und Dienstleistungen. Alles zusammen begründete einen ganz neuen und höheren Lebensstandard der Menschheit.
Alle Gehaltsempfänger in unserer Arbeitwswelt einschließlich der Lehrer und Professoren haben jetzt - ob es ihnen bewußt ist oder nicht - Angst, daß die Automation ihnen ihre Arbeitsplätze wegnimmt.
[...]
Wenn wir aus der fabelhaften Fülle realen Reichtums, der nur darauf wartet, von Menschen intelligent eingesetzt zu werden, Gewinn ziehen wollen und wenn wir den Aufschub der Automation durch die Gewerkschaften durchbrechen wollen, müssen wir jedem Menschen, der arbeitslos ist oder wird, ein lebenslanges Stipendium für Forschung und Entwicklung oder auch nur für einfaches Denken geben. der Mensch muß es wagen können, die Wahrheit zu denken und entsprechend zu handeln, ohne fürchten zu müssen, seine Lebenskonzession zu verlieren. Die Ausübung der Geistesmitgliedschaft wird es den Menschen erlauben, ihre wissenschaftliche Forschung und experimentelle Entwicklung von Prototypen komprehensiv auszuweiten und zu beschleunigen."

In der Einschätzung des historischen Verlaufs dieser Entwicklung irrt Bucky denn aber doch ein wenig:

"Historisch gesehen: Diese Schritte werden innerhalb der nächsten zehn Jahre unternommen werden. Darüber gibt es keinen Zweifel. Aber dies geschieht nicht ohne viele soziale Krisen und ohne konsequente pädagogische Erfahrung und nicht ohne Entdeckung der Natur unseres unbegrenzten Reichtums."

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Mem(ent)o
Ich möchte den Samstag kein unbeschriebenes Blatt lassen, daher sei hier kurz gedacht: der neugewonnenen Erkenntnis über Zerschneidung Biotope Zersiedelung, der immer noch wie einstmals guten Pizza bei Bambino, der Bucky Fuller Lektüre in der Tram (wenn ich morgen Zeit finde, folgen Zitate), dem guten spanischen Rotwein aus der Weinhandlung beim Babylon, dem Backgammonspiel mit R, das haarscharf ausging und einer gleich folgenden Bettlektüre, die mich nach Riga auf die Reise schickt.

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Freitag, 13. Februar 2004
Berlinale: Out of the Forest
Etwas über einen Film zum Holocaust zu schreiben, ist nicht einfach. Wenn es dann noch ein Film ist, der keine eigene Position bezieht, sondern sich darauf beschränkt, Zeugen zu Wort kommen zu lassen und die Meinungsbildung völlig dem Zuschauer überläßt, wird das ganze nicht einfacher.

OUT OF THE FOREST (Stimmen aus dem Wald),
Israel 2003, 93 Min.

dokumentiert Zeugenaussagen und Erinnerungen von Bewohnern des litauischen Dorfes Ponar, in dem in drei Jahren während des 2. Weltkrieges 100.000 Menschen, davon 70.000 jüdischen Glaubens ermordet wurden. Das irritierende dabei ist, dass es nicht um die deutschen Täter geht, sondern um Litauer und Polen, ihr Handeln und Nichthandeln zur Zeit des Nazilagers und ihr Umgang mit der Erinnerung. Der Berlinale Katalog:

„ 'Freitag, 11. Juli 1941. Das Wetter ist schön. Es weht ein warmer Wind. Der Himmel ist nur leicht bewölkt. Vom Wald her hört man Schüsse.'
Mit diesen Worten beginnt das Tagebuch von Kazimierz Sakowicz, einem Polen aus Ponar, einem kleinen Dorf zehn Kilometer westlich von Vilnius, der Hauptstadt von Litauen. Zwischen 1941 und 1944 wurden hier mehr als einhunderttausend Menschen umgebracht, zum größten Teil Juden. Sakowicz hörte die Schüsse und wusste, dass ganz in der Nähe etwas Seltsames geschah. Er beschloss, heimlich alles, was er hörte und sah, aufzuschreiben. Insgesamt dokumentierte er 835 Tage des Genozids. Ausgehend von Sakowicz’ Tagebuch berichtet OUT OF THE FOREST von Menschen, die in unmittelbarer Nähe eines Massenhinrichtungsplatzes lebten. Zu ihnen gehörte ein junges Mädchen, deren Kühe auf den offenen Gräbern weideten, eine Frau, die gezwungen wurde, für die Mörder zu kochen, ein Mann, der mit den Kleidern der Toten Handel trieb, und eine weitere Frau, die sich weigerte, einen Gefangenen in ihr Haus zu lassen, der wenige Minuten zuvor der Exekution entkommen konnte. Der Film ist auch eine Geschichte über Nachbarschaft und Gemeinwesen in schlechten Zeiten; eine Geschichte darüber, wie grundlegend unterschiedlich die jeweiligen Bevölkerungsgruppen (Polen, Litauer und Juden) die schrecklichen Vorkommnisse wahrgenommen haben und wie heute, sechzig Jahre später, niemand die Verantwortung für das Geschehene übernehmen will und jeder die Schuld bei den Anderen sucht."

In der folgenden Diskussion versuchen sowohl Publikum als auch Regisseure ihrem Unverständnis Ausdruck zu verleihen, dass die Antworten mancher Bewohner nicht einmal um irgendein Maß an Political Correctness bemüht waren. Sicher, darin bestand das schockierende des Films. Aber darin offenbart sich auch ein gutes Stück Wahrheit, ohne die gespielte Dopppelmoral, mit der hierzulande oftmals auf das Thema reagiert wird.

Nachdem denn auch einige Bemerkungen aus dem Publikum über den Nationalismus und die Menschrechtsverletzungen in Litauen gefallen sind, hebt der Regisseur abschließend hervor, daß es nicht um Litauer oder Polen geht, sondern allgemein darum, wie Abwehrmechanismen aufgebaut werden: Nicht wir waren es, die anderen waren es. Das überwiegend deutsche Publikum klatscht dankend Beifall.

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Salz
Den ganzen Tag schon frage ich mich, ob ich mir noch eine Berlinale Karte für Sonntag besorgen soll, weiss aber nicht so richtig, für welchen Film. Und dann denke ich immer an den isländischen Film, den ich letztes Jahr am Sonntagabend noch im Babylon gesehen habe, und so schön kann es dieses Jahr gar nicht werden, und dann denke ich, belass ich es erstmal bei den fünfen die ich bis heute abend gesehen haben werde und wenn ich will kann ich immer noch in die Forumswiederholungen nächste Woche im Arsenal gehen.
Gerne würde ich mal wieder einen isländischen Film sehen, und ich frage mich, wie der hiess im letzten Jahr und dann finde ich ihn im Berlinale Archiv:

SALT
Island, USA 2003, 93 Min.

und auf der Seite vom fsk-Kino gibts mehr Infos und einen Link zur offiziellen Website, die aber nicht mehr online ist.

"SALT ist eine einfache Geschichte über eine junge Frau, die sich in den Freund ihrer Schwester verliebt. Die Gefühle der Figuren und die Entscheidungen, die sie treffen, sind von dem Ort inspiriert, an dem sie leben. Vor zehn Jahren war ich einmal in einem winzigen isländischen Fischerdorf namens Stöðvarfjörður. Dieser Ort blieb mir als einer der entlegensten Plätze der Welt in Erinnerung. In diesem Dorf stellte ich mir ein junges Mädchen auf der Suche nach sich selbst vor, das sich während dieses Prozesses von den Menschen, die es am meisten liebt, immer weiter entfernt. Während ich die Figur entwickelte, wob sich eine bekannte isländische Legende über Seehunde in die Geschichte und wurde zur Grundlage für die Selbsterforschung des Mädchens. Aus diesen Ideen entwickelte sich die Figur der Hildur, aber zum Leben erweckt wurde sie auf erstaunliche Art und Weise, als ich Brynja Thóra Guðnadóttir kennen lernte. Ihr natürliches Gefühl für die Figur brachte mich auf den Gedanken, den Film mit Laiendarstellern zu drehen und mich dem Thema eher dokumentarisch zu nähern."
(Der Regisseur Bradley Rust Gray über seinen Film)

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Bauklötze staunen
Freitag, der 13., 00:13 Uhr ists nun und ich sitz vorm Breadboard und pauk Elektronik. Der Physical Computing Kurs von Tom Igoe ist allerdings richtig gut. Ausserdem hab ich mir vorhin einen Eimer Holzbauklötze bei ebay bestellt. Dann muss ich R's Neffe nicht wieder seine klauen. (Natürlich sind die Klötze für ganz seriöse Forschungszwecke...)

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Nachtrag (zur Frühstückszeitung)
In der bereits des öfteren genannten ASML wurde aus gegebenem Anlass aus Seelandschaft mit Pocahontas zitiert:

"Überlegene westliche Kultur??: Nanu!!: Wo hat sich Goethe denn schließlich niedergelassen: in der Bundesrepublik oder in der DDR he?! Von wo nach wo floh Schiller? Und Kant hats in Kaliningrad so gut gefallen, daß er sein ganzes Leben lang nicht rausgekommen iss!"

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Donnerstag, 12. Februar 2004
Berlinale: South of the Clouds
Mein vierter Berlinale Tag. Ich treffe mich mit R an den grünen Kanapees im Arsenal. Die Schlange für

YUN DE NAN FANG (South of the Clouds),
VR China 2003, 100 Min.

ist länger als bei den Filmen, die ich bisher gesehen hab und als es losgeht sind die Treppen belagert. Das Anfangsbild zeigt die Hautpfigur, aus dem Fenster schauend, und erinnert mich unmittelbar an die Anfangssequenz vom alten Solaris und auch R muss an die Tarkovsky-Brüder denken, allerdings an Stalker, den ich immer noch nicht gesehen hab. Der Film gleitet ruhig vor sich hin, man sieht zwei alte Männer beim Tai Chi, und je weiter er gleitet, desto entspannter fühlt man sich. Nach einer halben Stunde höre ich neben mir ruhige Atemzüge und auch ich habe zunehmend Schwierigkeiten, wachzubleiben und beginne, wegzuknicken, die Bilder wie Traumsequenzen aufzunehmen. Inzwischen ist Xu Daquin in der Provinz Yunnan im Süden angekommen und die Landschaftsaufnahmen sind wirklich traumhaft. Ich sehe ein Küchenmesser, ein gutes Stück größer als unser Güde Chai, Xu Daquin zerhackt damit Kohl, dann wieder Landschaft. Die Kinoluft ist stickig trocken, aber schließlich kommt das Schlußbild, ein wunderbares Schlußbild, mindestens so stark wie das Anfangsbild: Xu Daquin mit Tränen im Auge, eingefroren. Dann kommt der Closing Song, die Stimme eines chinesischen Tom Waits und während der Vorhang fällt, fühle ich mich wie nach einer der entspannenden Tai Chi Übungen der alten Männer im Film.

link (0 Kommentare)   | kommentieren


Frühstückszeitung
"Berlin statt Israel" verkündet die Berliner Zeitung heute stolz und stellt fest, dass jüdische Zuwanderer aus Osteuropa zuerst nach Deutschland kommen, "nicht aber nach Israel". Ääätsch! Und das wo Israel doch soviel näher an Polen, Tschechien und Russland liegt und dort auch viel weniger Selbstmordattentäter ihr tödliches Unwesen treiben.

Das Feuilleton gedenkt unter dem recht albernen Titel "Der entkantete Kant" Kant. Kant mochte ich nie. In der Philosophie an der Trierer Uni gings immer nur um Kant. Marx hingegen gabs nicht. Aber der mochte seine Heimatstadt ja auch nicht so besonders.

Am Rande gibt das Feuilleton dann noch eine Meldung von Focus Online wieder, nach der Martin Walser den Suhrkamp Verlag verlässt. Endlich, denkt man da und fragt sich, ob es vielleicht doch noch ein wenig Hoffnung für den (west-)deutschen Verlag Stanislaw Lems gibt. (Immerhin hab ich neulich schon Ralf Rothmann entdeckt und war überrascht dass er in Suhrkamp Schwarz|Rot daher kam.)

link (0 Kommentare)   | kommentieren


closed circuit (1)
während blogger heute morgen internal server error meldet, blinkt der bx24 rotgrün. habe jetzt verstanden wie das breadboard geschaltet ist. die einzelnen steckteile, insbesondere den bx24, muss man festg andrücken. wenns nicht geht erst mal durchmessen, wo's nicht mehr stimmt. so jetzt die serielle buchse zum programmieren...



elektronik kram ist überwiegend rotschwarz. ob viele elektroniker in der feuerwehr sind? r, mein sandkastenfreund von früher, ist meines wissens immer noch drin, genau wie sein vater, beide sind elektriker.

link (0 Kommentare)   | kommentieren