... newer stories
Freitag, 20. Februar 2004
Fastnachtstage
Die Sonne scheint, trotz oder gerade wegen der Kälte, klar und unbestechlich, es ist das typische Fastnachtswetter, zumindest ist es in meiner Erinnerung so. (Ist Fastnacht eigenlich dieses Wochenende?) Während ich durch Neukölln gehe denke ich an den Geruch von Fastnachtsmunition, ich hatte immer die 8- oder 12 Schuss, das Endlospapier knallte nicht richtig, sondern knätschte nur, roch aber umso mehr, an Indianer und Cowboy-Kostüme und dann an Fastnachtstage als Oberschüler, an Abende in Dorfkneipen und Nachmittage in der Sonne am Brunnern der kleinen Provinzstadt, an denen sich eigentlich alles nur darum drehte, die Gunst der schönsten Mädchen der Schule zu gewinnen, ich trug Jeans damals mit aufgebügelten Marillion- Flicken, rote Pumastiefel und schwarzes Sakko vom Großvater überm Hemd, das Wetter war meist egal, man war nicht so empfindlich damals, die Haare waren länger, aber noch nicht so richtig lang wie später als Student, es waren die Achtziger und ich erinnere mich an einen Tag, an dem F und ich im gleichen grauen Trenchcoat in die Schule kamen, und den haben wir beide dann wohl auch nie wieder getragen...
Von marcosz, 17:13 Uhr
| link (0 Kommentare) | kommentieren
Donnerstag, 19. Februar 2004
Spiele ohne Grenzen
Beim Lesen von Tillmanns gestrigem Eintrag hab ich mich dann doch irgendwie ziemlich erwischt gefühlt. Schließlich schreib ich hier seit Wochen von Legosteinen und Bauklötzen und Spiel-Filmen und Elektronikbasteleien und der Spielwiese Berlin und letztendlich ist doch ein Weblog auch nur ein neues Spielzeug für den spielverrückten 30jährigen. (Die Spiele mit der Ordnungsmacht lassen allerdings in dem Alter nach. Die Player am 1. Mai sind dann doch meist jünger oder Grünuniformierte, und die gehören prinzipiell nicht meiner Generation an.)
Aber, und so möchte ich mich rechtferigen, ist Spielen nicht das sinnvollste, was man angesichts des Arbeitsplatzmangels tun kann? Spielende beschäftigen sich selbst, sie sind kreativ, konstruktiv, produktiv. Sie entsprechen doch genau Buckminster Fullers Verständnis dessen, was man mit den vielen Arbeitslosen machen sollte: sie forschen lassen. Experimentieren. Entdecken. Spielen.
Brot und Spiele für die 30jährigen. Mehr woll'n wir doch gar nicht.
(Ach, dabei fällt mir ein: im Januar bin ich doch auf Platz 121 der Domino-Weltrangliste eingestiegen!)
Aber, und so möchte ich mich rechtferigen, ist Spielen nicht das sinnvollste, was man angesichts des Arbeitsplatzmangels tun kann? Spielende beschäftigen sich selbst, sie sind kreativ, konstruktiv, produktiv. Sie entsprechen doch genau Buckminster Fullers Verständnis dessen, was man mit den vielen Arbeitslosen machen sollte: sie forschen lassen. Experimentieren. Entdecken. Spielen.
Brot und Spiele für die 30jährigen. Mehr woll'n wir doch gar nicht.
(Ach, dabei fällt mir ein: im Januar bin ich doch auf Platz 121 der Domino-Weltrangliste eingestiegen!)
Von marcosz, 12:01 Uhr
| link (0 Kommentare) | kommentieren
Scherzkeks Amazon
Gerade gefunden: Amazons deutsche Übersetzung des amerikanischen Elektronik-Handbuchs Practical Electronics for Inventors von Paul Scherz:


Von marcosz, 11:26 Uhr
| link (0 Kommentare) | kommentieren
Mittwoch, 18. Februar 2004
Laubenpieper
Auf der Berlin Biennale im Martin-Gropius-Bau gibts eine Rekonstruktion einer Gartenlaube von Leberecht Migge, von den schwedischen Künstlerinnen Ingrid Book und Carina Hedén vor am Boden platzierten Videomonitoren installiert und mit Matratzen zum liegen ausgelegt. Legt man sich dann aber hin, zieht man sich den Zorn der Museumswärterin zu, die einen dann schnellstens auffordert, aufzustehen, denn schließlich sei es "ein Kunstwerk", das man dort beliege.
Ich möchte dann von ihr wissen, was sie mir denn zu dem Kunstwerk sagen könne, und ob sie nicht denke, dass das vielleicht so gedacht sei, wenns denn schon so aufgestellt ist, aber sie ist ganz Berlinerin: Diskussion zwecklos.
Immerhin scheinen die Besucher sich auf einen Kunstbegriff einigen zu können, denn alle kommen entspannt zur Ecke geschlendert, sehen die Laube mit den akurat davor platzierten Monitoren - und legen sich hin. Die Aufpasserin verscheucht die flegelhaften Gäste noch einige Mal, verschwindet dann aber im Nebenzimmer. (Entweder ist sie jetzt Verstärkung holen oder sie hat die Sinnlosigkeit ihrer Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung eingesehen. Die Anarchie hat vorerst gesiegt.)
Später lese ich im Biennale Katalog:
"Die Projekte von Book und Hedén sind durch eine Form con direktem Engagement mit ihren Themen gekennzeichnet. So schaffen sie konzeptuell und visuell die Möglichkeit, das Zusammentreffen mit einer Vielzahl verschiedener Menschen und Umfelder zu reflektieren. Das Ergebnis ist insofern eine fruchtbare Verbindung des Deskriptiven und des Emotionalen, als die Substanz der Alltagswirklichkeit, insbesondere bestimmt Konzepte von 'Raum', durch den Blick der Künstlerinnen gefiltert wird."

Dass ich mit meinen Bauklötzen auf der Höhe der Zeit bin, zeigt hingegen das kollaborative Projekt What's the time in Vyborg?
Ich möchte dann von ihr wissen, was sie mir denn zu dem Kunstwerk sagen könne, und ob sie nicht denke, dass das vielleicht so gedacht sei, wenns denn schon so aufgestellt ist, aber sie ist ganz Berlinerin: Diskussion zwecklos.
Immerhin scheinen die Besucher sich auf einen Kunstbegriff einigen zu können, denn alle kommen entspannt zur Ecke geschlendert, sehen die Laube mit den akurat davor platzierten Monitoren - und legen sich hin. Die Aufpasserin verscheucht die flegelhaften Gäste noch einige Mal, verschwindet dann aber im Nebenzimmer. (Entweder ist sie jetzt Verstärkung holen oder sie hat die Sinnlosigkeit ihrer Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung eingesehen. Die Anarchie hat vorerst gesiegt.)
Später lese ich im Biennale Katalog:
"Die Projekte von Book und Hedén sind durch eine Form con direktem Engagement mit ihren Themen gekennzeichnet. So schaffen sie konzeptuell und visuell die Möglichkeit, das Zusammentreffen mit einer Vielzahl verschiedener Menschen und Umfelder zu reflektieren. Das Ergebnis ist insofern eine fruchtbare Verbindung des Deskriptiven und des Emotionalen, als die Substanz der Alltagswirklichkeit, insbesondere bestimmt Konzepte von 'Raum', durch den Blick der Künstlerinnen gefiltert wird."

Dass ich mit meinen Bauklötzen auf der Höhe der Zeit bin, zeigt hingegen das kollaborative Projekt What's the time in Vyborg?
Von marcosz, 22:03 Uhr
| link (0 Kommentare) | kommentieren
Neues Deutschland
Das Berliner Fenster meldet die am häufigsten vergebenen Vornamen von 2003:
Marie, Maximilian, Maria, Anna, Alexander.
Wer wagte da von Old Europe zu sprechen.
Marie, Maximilian, Maria, Anna, Alexander.
Wer wagte da von Old Europe zu sprechen.
Von marcosz, 21:57 Uhr
| link (0 Kommentare) | kommentieren
Dienstag, 17. Februar 2004
Der einfache Mann (2)
Wenn ich ihn dann versuchsweise doch einmal durch die ausgeleierte Sozialromantikbrille betrachte, den einfachen Mann, dann sieht er aus:
wie ein grünes Ostampelmännchen. Mit Hut, jedenfalls.

wie ein grünes Ostampelmännchen. Mit Hut, jedenfalls.

Von marcosz, 14:48 Uhr
| link (0 Kommentare) | kommentieren
Der einfache Mann
Heute morgen ein Anruf meiner Mutter & ich fühl mich sofort immer ein wenig wie Herr Lehmann. Klagen über die Regierung. Wo das bloß hinführt mit diesem Land. Der einfache Mann...
Ich erwidere nur, dass wir immer noch im drittreichsten Land der Welt leben und versuche ihn mir vorzustellen, den einfachen Mann, aber die Sozialromantikbrille passt mir seit einigen Jahren nicht mehr und so gerät das Bild immer zu einer Fratze, die Ausländer kloppt und über die da oben schimpft. Und was die Sozen und die Grünliberalen an der Regierung machen würden, hat man auch vorher gewusst, spätestens aber nach den Lügen der Kriegsführertroika Schröder Scharping Fischer hätte mans wissen können, aber das wollte ja vor 5 Jahren keiner hören. Also bitte.
Ich erwidere nur, dass wir immer noch im drittreichsten Land der Welt leben und versuche ihn mir vorzustellen, den einfachen Mann, aber die Sozialromantikbrille passt mir seit einigen Jahren nicht mehr und so gerät das Bild immer zu einer Fratze, die Ausländer kloppt und über die da oben schimpft. Und was die Sozen und die Grünliberalen an der Regierung machen würden, hat man auch vorher gewusst, spätestens aber nach den Lügen der Kriegsführertroika Schröder Scharping Fischer hätte mans wissen können, aber das wollte ja vor 5 Jahren keiner hören. Also bitte.
Von marcosz, 14:29 Uhr
| link (0 Kommentare) | kommentieren
... older stories
