Donnerstag, 22. Januar 2004
Immer Blogger bleiben...
Die alltägliche Beschäftigung mit einer "Sache" (La chose, sagt der Franzos') zur Spruchreife zu bringen, kann 1 Herausforderung eines Weblogs sein.

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Morgenpost
Gerade war der Briefträger an der Tür und hatte ein Päckchen für mich dabei. Aus einem Heidelberger Antiquariat. Rolf Dieter Brinkmann: Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand: Reise Zeit Magazin (Tagebuch). Hinter dem langen Titel verbergen sich Notizen und Materialien, die RDB von 1971 bis 1973 für seinen geplanten zweiten Roman zusammenstellte. Der Rowohlt Paperback Band von 1987 bringt die Text|Bild Collagen als fast 400seitiges Typoskript. Die Collagen enthalten, neben dem maschinengeschriebenen und mit zahlreichen Anmerkungen und Korrekturen versehenen und stellenweise zwei oder dreispaltigen Text, Zeitungsausschnitte und Pressemeldungen, Briefe, selbstgemachte Fotos (vornehmlich aus Köln, auch Fotos, die RDB selbst zeigen), einzelne Comicpanels, Postkarten und Filmstills, Abbildungen von Geldstücken, Landkartenauszüge und Werbeanzeigen...



Der Band zeigt einmal mehr, dass RDB ein ebenso präziser Beobachter des Alltags war, wie der gestern erwähnte Arno Schmidt, der akribisch die Welt um ihn herum protokollierte und diese Protokolle zu literarischen verdichteten Zustandsbeschreibungen weiterverarbeitete. Man fragt sich, wohin RDB sich als Autor entwickelt hätte, wenn er 1975 nicht wenige Tage nach seinem 35. Geburtstag in London vors Auto gelaufen wär... (was ich sehr verständlich finde, das mit dem Linksfahren kriegt ich auch nie hin). Ob er auch ein "Solipsist in der Heide" geworden wär?

Es wäre auch interessant zu wissen, inwiefern RDB Arno Schmidt kannte... (ob in der Asml jemand dazu was weiss?).

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Mittwoch, 21. Januar 2004
90 Jahre und 3 Tage.
Jetzt hab ich doch tatsächlich den 90. Geburtstag Arno Schmidts am 18. Januar verpasst. Immerhin will ich die peinliche Gelegenheit nutzen, einige Links nachzuliefern.
(Viele davon gefunden in der Arno Schmidt Mailing Liste).

Linksammlung zu Arno Schmidt bei dmoz.org, dem Open Directory Project:
http://dmoz.org/World/Deutsch/Kultur/Literatur/Autoren_und_Autorinnen/S/Schmidt,_Arno/

Die Arno Schmidt Stiftung:
http://www.arno-schmidt-stiftung.de/

Die Gesellschaft der Arno Schmidt Leser:
http://www.gasl.org/

Die Arno Schmidt Mailingliste:
http://www.damaschke.de/as/

Der Tagesspiegel schreibt zum 90. Geburtstag im Tagesspiegel unter dem Titel "Das Moor hat seine Schuldigkeit getan":
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/17.01.2004/935480.asp

Auf Literaturkritik.de zollt Alexis Eideneier seinen Tribut zum neunzigsten Geburtstag Arno Schmidts:
http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=6664&ausgabe=200401

Die Süddeutsche dankt Arno Schmidt in einem offenen Brief:
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel262/

Auch Hal Faber denkt in seiner "sonntäglichen Wochenschau" auf Heise.de an den Geburtstag "des großen Deutschen":
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-17.01.04-001/

Die taz bespricht - in taz Manier - die Inszenierung von Schwarze Spiegel im Schauspiel Hannover, der 90. Geburtstag bleibt unerwähnt:
http://www.taz.de/pt/2004/01/17/a0180.nf/text

Die Leipziger Volkszeitung über "2 obsessive Künstler", Arno Schmidt und Einar Schleef:
http://www.lvz-online.de/lvz-heute/90895.html

Und abschliessend sei noch auf das neue von Giesbert Damaschke und Gregor Strick in Kooperation mit der Arno Schmidt Stiftung zusammengestellte digitale Handbuch zu Kaff auch Mare Crisium verwiesen:
http://www.mare-crisium.de/

Abschließend noch ein Ausschnitt aus einer Mail von Jan Süselbeck in der ASML vom 18. Januar, der ich mich weitestgehend anschliessen kann:

"Thema Presseschau: Es ist doch auffällig, daß die Herren und Damen von den großen Tageszeitungen mittlerweile nur noch damit kokettieren bzw. es offen erkennen lassen, daß Sie von Schmidt keine Ahnung haben.
Schmidt als lästige Pflichtübung zum 90.! Teilweise scheinen sie sogar regelrecht stolz drauf zu sein, seine Bücher gar nicht erst gelesen zu haben. Daß die FAZ ausgerechnet Ernst Jünger und Gottfried Benn einleitend als große Eideshelfer für Schmidt ins Feld führet, verwundert zwar wenig, ist aber schon ziemlich dreist. Nicht genug damit, wird einem dann auch noch bekanntgegeben, daß man offenbar laut FAZ (oder war's jetzt die ZEIT gewesen!?) der einzige ist, der so blöd war, Schmidt Literatur-Tips wie Oppermann oder Gutzkow zu folgen und diese Bücher auch noch mit Genuß zu Ende zu lesen. Schmidt und Daniel Küblknöpp - oder wie dieser armselige verhaltensauffällige Krächzer heißt - in einem Atemzug genannt zu begegnen (taz), ist auch ne ganz neue Erfahrung. Richtig beängstigend wird es aber, in der "taz"-Kritik zu lesen, von Schmidt könne man die "Kraft der Negation" (oder so ähnlich) lernen, und das sei dann wohl sein 'Wert' für die Gegenwart. Da scheint wohl jemand Schmidt wieder mit Jünger verwechselt zu haben, denn soweit ich mich erinnere, finden Schmidts Helden - auch der in SCHWARZE SPIEGEL übrigens - die große Negation der bösen Schöpfung gar nicht so toll - und ihre eigenen Verneinungen entspringen der Wut und der Verzweiflung eben darüber. [...]"

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Dienstag, 20. Januar 2004
Staubwischen.
Heute hab ich endlich einmal diesen staubigen orangenen adidas Rucksack ausgepackt, der mir schon die ganze Zeit unterm Schreibtisch zwischen den Füßen stand. Darin: Magnetbänder. Hi8, Video8, MiniDV, Microkassetten vom Diktiergerät, zwei DAT Kassetten und einige MCs mit alten Songs.

Die, die ich dann aber hören wollte, war natürlich nicht dabei. Ich fand sie, als ich schließlich eine andere in den Player einlegen wollte, und mir fiel auf, wie lange ich schon keine Kassetten mehr gehört habe.

Im folgenden wurde mir dann klar, warum. Ein Rauschpegel, der jede Dynamik unmöglich macht und ein Geleiere als sei der Tonkopf besoffen. (Und Tracks auswählen konnte man auch nicht). Was für ein blödes Medium waren eigentlich diese Musik Kassetten?

Hab dann aber doch noch ein paar Stücke digitalisiert.
(Das Problem damals war einfach die Performance des 486ers. Midi steuern und gleichzeitig HD-Recording war etwas zu viel, deshalb hab ich dann ne Kassette reingeschoben und darauf aufgenommen....)

Nun gut, zwei Stücke will ich dann auch nicht vorenthalten:

Au contraire: Shimanski Theme [MP3 | 02'32 | 2,1 MB]
Au contraire: Rote Wüste (Ich mag keine Menschen mehr) [MP3 | 04'13 | 3,8 MB]

Beide dürften vom Herbst 1998 sein.
Und der Vollständigkeit halber will ich dann auch den Text zugeben:

Rote Wüste

Maybe ist alles, was du sagst,
wenn ich dich nach der Zukunft frag',
bloß nicht festlegen,
eine zufällige Berührung ist schon zu viel bekannt.

Life is hard and so am I
schreist du ins All und suchst das Glück,
ich zieh mich langsam Stück für Stück,
in meine kleine Welt zurück.

Ich mag keine Menschen mehr
Ich mag keine Menschen mehr
Ich mag keine Menschen mehr
Ich mag keine Menschen mehr

Rote Wüste -
letzte Zuflucht.

Das Hinterland in deiner Hand
zwingt mich zur Flucht.
Footprints im Wüstensand
verweht der Wind.

So treibe ich orientierungslos auf meiner roten Insel
durchs All, einer von vielen,
und zieh mich derweil Stück für Stück,
wie sie, in meine Welt zurück...

Ich mag keine Menschen mehr
Ich mag keine Menschen mehr
Ich mag keine Menschen mehr
Ich mag keine Menschen mehr

Rote Wüste -
letzte Zuflucht.

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Montag, 19. Januar 2004
Gestern. Heute. Dazwischen die Nacht.
Morgens gegen acht Schneetreiben in Berlin. Weisses Rauschen. Die Müllabfuhr rumpelt orangenfarben durchs tiefe Blau. Während es dämmert, gehen Lichter an in den Häusern gegenüber, wie Fenster im Adventskalender. Gestern dagegen noch ein Nachmittag mit Goldrand, wie einige Screenshots zeigen, die ich beim Durchdiestadtfahren schiessen konnte...

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